Die Seele heilt mit: Experten diskutieren in Eberswalde über ganzheitliche Krebshilfe

Krebs ist längst nicht mehr nur eine medizinische Diagnose, sondern eine lebensverändernde Herausforderung für Körper und Seele. Wie Patienten und Angehörige in dieser schweren Zeit besser aufgefangen werden können, stand im Fokus eines psychoonkologischen Symposiums im Paul-Wunderlich-Haus.

Am 25. Februar 2026 füllte sich der Saal im Herzen Eberswaldes: Die Krebsberatungsstelle Eberswalde, das Onkologische Zentrum Barnim und das Zentrum für Psychische Gesundheit des Martin Gropius Krankenhauses hatten geladen, um über die neuesten Entwicklungen in der Psychoonkologie zu debattieren. Dass die Resonanz so groß war, unterstreicht die Relevanz des Themas in einer Zeit, in der die Zahl der Neuerkrankungen stetig steigt.
Im Zentrum des ersten Vortrags stand das sogenannte „Cancer Survivorship“ – das Leben mit und nach dem Krebs. Prof. Dr. Anja Mehnert-Theuerkauf, Universitätsprofessorin und Leiterin der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie am Universitätsklinikum Leipzig, präsentierte den aktuellen Stand der Forschung und fand dabei deutliche Worte für die soziale Schieflage in der Gesundheitsvorsorge.

Zwar steigen die Krebsraten in Deutschland insgesamt, auch bei jüngeren Menschen, doch die Betroffenheit ist ungleich verteilt. Es zeigten sich nicht nur Unterschiede zwischen den Geschlechtern, sondern vor allem ein Gefälle zwischen den Bildungsschichten. Menschen mit geringerem Zugang zu Bildung erkranken statistisch gesehen häufiger und haben oft schlechtere Prognosen.
„Wir sollten mehr dafür tun, dass wir gesünder leben“, appellierte Prof. Dr. Anja Mehnert-Theuerkauf in ihrem Plädoyer. „Nicht nur für die Krebskranken, sondern für unsere gesamte Gesellschaft.“
Den Blick in die Zukunft der Krebsforschung richtete Prof. Dr. Matthias Rose, Direktor der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Psychosomatik am Campus Mitte der Charité - Universitätsmedizin Berlin. Er widmete sich der „Patientenbeteiligung im Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen“. Sein Kerngedanke: Patienten sollen nicht mehr nur Behandelte sein, sondern aktive Mitgestalter der Forschung.

Ein zentrales Werkzeug hierfür ist die Digitalisierung. Über spezielle digitale Plattformen sollen Betroffene ihre Erfahrungen direkt in die Wissenschaft einspeisen können. Dabei betonte Prof. Dr. Matthias Rose, dass die Hürden für eine Teilnahme so niedrig wie möglich sein müssen: „Es ist entscheidend, dass wir alle Bildungsschichten erreichen, damit die Forschung Ergebnisse liefert, die wirklich der gesamten Breite der Bevölkerung zugutekommen.“
Trotz des medizinischen Fortschritts bleibt die psychoonkologische Versorgung in Deutschland ein Flickenteppich. Während Ballungszentren oft gut versorgt sind, gibt es in ländlichen Regionen teils erhebliche Defizite. Ziel der Veranstaltung in Eberswalde war es daher auch, die sozialen Ressourcen der Region zu stärken und die psychische Befindlichkeit der Patienten nachhaltig zu verbessern.
Das Symposium im Paul-Wunderlich-Haus war ein wichtiger Schritt, um das Thema aus der Tabuzone zu holen und die Vernetzung zwischen Forschung, Klinik und ambulanter Beratung vor Ort zu festigen.

Anlaufstellen für psychoonkologische Beratung:
Krebsberatungsstelle Eberswalde
Leistungsspektrum: Psychosoziale Beratung (Einzeln, Paare, Familien), Krisenintervention, Unterstützung bei der Krankheitsbewältigung, Information über Krankheitsbilder, Vermittlung weiterer Unterstützungsangebote

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