Emotionaler Abschied vom Eberswalder Chefarzt Prof. Dr. Hubertus Adam

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„Sie hinterlassen eine Haltung“

Emotionaler Abschied vom Eberswalder Chefarzt Prof. Dr. Hubertus Adam

 

Ein bedeutendes Kapitel der medizinischen Versorgung in Brandenburg ging Ende Januar offiziell zu Ende: Mit einem feierlichen Festakt im vollbesetzten Eberswalder Paul-Wunderlich-Haus wurde Prof. Dr. Hubertus Adam (Foto rechts), langjähriger Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie (KiJu) am GLG Martin Gropius Krankenhaus, offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Zahlreiche Weggefährten, Kolleginnen und Kollegen sowie hochrangige Gäste aus Politik und Fachwelt würdigten ein Lebenswerk, das weit über die Grenzen der Region hinaus wirkt.

 

19 Jahre lang war Prof. Hubertus Adam Chefarzt am GLG Martin Gropius Krankenhaus Eberswalde. Fast zwei Jahrzehnte lang hat er die Kinder- und Jugendpsychiatrie dabei weit über die Stadtgrenzen hinaus geprägt. Nun geht der renommierte Mediziner, der auf Bundesebene als Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Leitenden Klinikärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie (BAG) und in anderen zahlreichen Gremien wirkte, in den verdienten Ruhestand. Am vergangenen Freitag lud das Gropius Krankenhaus zu einem Festsymposium ein, um Prof. Adam feierlich zu verabschieden, und füllte damit das komplette Paul-Wunderlich-Haus.

Nach einleitenden Worten von Sylvia Markl, Verwaltungsdirektorin des Martin Gropius Krankenhauses, hob der Barnimer Landrat Daniel Kurth in seiner Würdigung die tiefe regionale Verwurzelung und den prägenden Einfluss des Mediziners hervor: „Wir verabschieden mit Ihnen nicht nur einen Chefarzt, sondern eine Persönlichkeit, die die Kinder- und Jugendpsychiatrie (KiJu) überregional geprägt hat.“ Er betonte Adams ganzheitliche Perspektive und die enge Kooperation mit dem Jugendamt als entscheidende Schlüssel für effektive Hilfe. Daniel Kurth: „Sie hinterlassen mehr als Strukturen – Sie hinterlassen eine Haltung.“

 

GLG-Geschäftsführerin Dr. Steffi Miroslau blickte mit großem Respekt auf die Ära des Chefarztes zurück. Unter seiner Leitung habe die KiJu ein echtes Alleinstellungsmerkmal entwickelt und eine flächendeckende Versorgung über die Landkreisgrenzen hinaus sichergestellt. Besonders hob sie Prof. Adams Fähigkeit hervor, ein Team zu formen, das fachliche Qualität mit tiefer Menschlichkeit verbindet. Zudem unterstrich sie die Bedeutung seines Wirkens für den Standort: Zuletzt war Eberswalde 2025 Austragungsort einer bundesweiten Fachtagung der Kinderpsychiatrie.

 

Fachlicher Diskurs und emotionale Einblicke

Der Festakt bot zudem hochkarätige fachliche Impulse langjähriger Weggefährten. Dr. med. Stephan Anis Towfigh, Chefarzt im Klinikum Ernst von Bergmann Potsdam, skizzierte die Entwicklung der Kinderpsychiatrie vom einstigen Tabuthema hin zu einer modernen Disziplin, die Brücken baut. Er mahnte an, trotz zunehmender Spezialisierung stets „das ganze Kind“ zu betrachten – ein Credo, das Prof. Adam stets vorlebte. Prof. Dr. Michael Kölch, Präsident der DGKJP und Direktor an der Uniklinik Rostock, referierte eindringlich über das Thema „Rechte der Kinder – Verpflichtung der Klinik“ und unterstrich damit die ethische Verantwortung des Fachbereichs. Prof. Uta Donges, Ärztliche Direktorin des Gropius Krankenhauses, richtete den Blick auf die Transition in der Psychiatrie und damit auf die Schnittstelle zwischen der Jugend- und Erwachsenenpsychiatrie. Sie dankte Prof. Adam im Namen der gesamten Chefarztriege und hob dessen Engagement in der Lehre sowie seine Bürgernähe hervor, mit der er von PJ-Seminaren bis hin zu öffentlichen Bürgerforen unermüdlich neue Projekte vorantrieb. Ein Herzensprojekt war dabei eine gemeinsame Plattform mit Jugendhilfeeinrichtungen, die aufsuchende Hilfe außerhalb der Klinik anbot. Als Fußballfan taufte er dieses Pionierprojekt passend: „You’ll never walk alone“.

 

Dankbarkeit und ein Blick in die Zukunft

Emotional wurde es, als sich die Kolleginnen und Kollegen aus dem Gropius Krankenhaus verabschiedeten und sich die Kinder der KiJu mit einem Videoeinspieler bedankten. Nachdem Sylvia Markl im Namen der Klinik dem scheidenden Chefarzt und seiner Familie gedankt hatte, bewilligte Dr. Joachim Walter vom Institut für Psychoanalytische Paar- und Familientherapie den „Antrag auf Rente“ – jedoch nur unter Vorbehalt, da Prof. Adam der Fachwelt als Referent erhalten bleibe. Sichtlich bewegt trat Prof. Adam schließlich selbst ans Rednerpult. Er blickte auf die spannenden Anfänge zurück, als er aus Hannover nach Eberswalde kam und gemeinsam mit seinem Team innovative ambulante Projekte initiierte, lange bevor der Begriff „Ambulantisierung“ zum Modewort wurde. Seinen Erfolg schrieb er jedoch nicht sich selbst zu: „Die KiJu ist nur so stark, weil wir ein Team sind“, betonte er und richtete seinen Dank an das gesamte multiprofessionelle Team: „Ich bin dankbar, Teil der Geschichte des Martin Gropius Krankenhauses gewesen zu sein – einer Geschichte, die auch mir bei meiner persönlichen Entwicklung geholfen hat.“ Mit stehenden Ovationen wurde Prof. Hubertus Adam verabschiedet. Er hinterlässt eine Klinik, die für die Herausforderungen der Zukunft bestens gerüstet ist. Symbolisch wurde der Staffelstab an die neue Chefärztin Sabine Gairing übergeben, die ab Februar die Leitung der KiJu in Eberswalde übernimmt. Prof. Adam wird der Klinik weiterhin als Ansprechpartner und für Projekte in der Weiterbildung zur Verfügung stehen.