Hitze im Anflug: So schützen Sie sich und Ihre Liebsten. Experten-Tipps aus dem Notfallzentrum!

Wenn die Temperaturen im Sommer nach oben klettern, steigen im Notfallzentrum des GLG Werner Forßmann Klinikums Eberswalde auch die Patientenzahlen. „Während einer Hitzewelle sehen wir deutlich mehr Menschen mit hitzespezifischen Problemen“, berichtet Dr. Dr. Sebastian Stenkamp, Chefarzt des Notfallzentrums. Die gute Nachricht: Viele dieser Notfälle lassen sich durch das richtige Verhalten im Alltag ganz einfach vermeiden.

Vor allem zwei Gruppen sind bei Extremtemperaturen besonders gefährdet: ältere Menschen und Kinder. Doch worauf muss man achten, und ab wann wird es gefährlich? Dr. Dr. Stenkamp gibt wichtige Einblicke und praktische Ratschläge.

Hitzeerschöpfung vs. Hitzeschlag: Wann wird es lebensbedrohlich?

Der Körper versucht bei Hitze, sich selbst zu kühlen – vor allem durch Schwitzen und eine beschleunigte Atmung. Reicht das nicht aus, drohen gesundheitliche Schäden. Die Mediziner unterscheiden dabei zwischen zwei Stufen:

  • Die Hitzeerschöpfung (Erste Stufe): Hierbei steigt die Körperkerntemperatur an, in Einzelfällen bis auf 40 Grad. Betroffene klagen meist über Schwäche, Unwohlsein, Schwindel und Kopfschmerzen. Die Rettung: Diese Symptome lassen sich durch schnelles Trinken und Abkühlung im Schatten in der Regel gut behandeln.
  • Der Hitzeschlag (Lebensbedrohlicher Notfall): Davor haben Notfallmediziner die größte Sorge. Die Körpertemperatur schießt auf über 40 °C hoch. Im Vorfeld zeigen sich oft niedriger Blutdruck, Schwindel, Erbrechen oder Durchfall. Schließlich kommt es zu Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma. Ein Hitzeschlag ist ein absoluter Notfall! Glücklicherweise ist er selten: In den vergangenen zwei Jahren wurden im Eberswalder Notfallzentrum fünf Fälle behandelt.

Vorsicht beim Sport: Ein Hitzeschlag betrifft nicht nur geschwächte Personen. Auch junge, fitte Menschen unter 25 Jahren können bei extremer sportlicher Anstrengung in heißer Umgebung einen Hitzeschlag erleiden. Tatsächlich sind rund 2 % der plötzlichen Todesfälle bei jungen Sportlern darauf zurückzuführen.

Achtung bei Medikamenten, Herz- und Nierenleiden

Mit dem Schweiß verliert der Körper nicht nur Wasser, sondern auch wichtige Salze wie Natrium und Kalium. Wer bereits gesundheitlich vorbelastet ist, gerät jetzt schnell in eine Schieflage:

  • Vorsicht bei Blutdrucksenkern & Entwässerungstabletten: Bestimmte Medikamente können bei Hitze gefährlich wirken. Dr. Dr. Stenkamp rät dringend: „Sprechen Sie vor einer Hitzewelle mit Ihrem Arzt über eine eventuelle Anpassung der Dosis. Verändern Sie die Einnahme aber niemals eigenmächtig!“
  • Wichtig für Diabetiker (Typ 2): Wer Metformin einnimmt, muss zwingend ausreichend trinken. Ohne genug Flüssigkeit kann Metformin zu lebensbedrohlichen Veränderungen im Blut führen.
  • Alternde Herzen und dicke Beine: Ab dem 70. Lebensjahr pumpt selbst ein gesundes Herz nicht mehr so kräftig wie in jungen Jahren. Das kann dazu führen, dass sich an heißen Tagen Wasser in den Beinen sammelt. Das gleiche Problem betrifft auch Schwangere und Herzkranke. Erste Hilfe hier: Beine hochlegen in kühlen Räumen.
  • Gefahr für die Nieren: Trinkt man zu wenig, können die Nieren Giftstoffe nicht mehr richtig abbauen. Die Folge sind Abgeschlagenheit, Übelkeit und Erbrechen.

Die unterschätzte Gefahr für Kinder: Der wandernde Schatten

Säuglinge und Kinder landen bei Hitzewellen besonders häufig im Notfallzentrum. Der Klassiker, den Dr. Dr. Stenkamp immer wieder erlebt: Kinder spielen friedlich an einem schattigen Plätzchen. Doch der Schatten wandert weiter – und plötzlich spielen die Kleinen in der prallen Sonne.

Ohne Kopfbedeckung droht dann schnell ein Sonnenstich. Dabei heizt sich das Gehirn so stark auf, dass es Schaden nimmt. Symptome sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Verwirrtheit und im schlimmsten Fall Bewusstlosigkeit.

Die 6 wichtigsten Hitze-Regeln von Dr. Dr. Stenkamp

Dank besserer Aufklärung ist die hitzebedingte Übersterblichkeit in den letzten Jahren glücklicherweise zurückgegangen. Damit Sie und Ihre Familie sicher durch den Sommer kommen, hat der Eberswalder Notfallmediziner sechs einfache, aber lebenswichtige Empfehlungen zusammengefasst:

1.Alltag anpassen:Morgen- & Abendstunden nutzen.

Verlegen Sie Einkäufe, Erledigungen und vor allem sportliche oder körperliche Aktivitäten in die kühleren Phasen des Tages.

2.Wohnung kühl halten:Räume schützen.

Sorgen Sie dafür, dass sich Ihre eigenen vier Wände gar nicht erst aufheizen (tagsüber Fenster zu und abdunkeln, nachts lüften).

3.Trinken, trinken, trinken:Die richtige Wahl.

Trinken Sie reichlich und regelmäßig – am besten Wasser, Saftschorlen oder ungesüßten Tee. Meiden Sie Alkohol und stark gezuckerte Getränke.

4.Sonnenschutz verwenden:Draußen gut geschützt.

Wenn Sie ins Freie gehen, denken Sie an Sonnencreme, eine Sonnenbrille und vor allem an eine Kopfbedeckung (besonders bei Kindern!). Tragen Sie luftige Kleidung.

5.Auf Mitmenschen achten:Gemeinsam achtsam.

Behalten Sie Kinder, ältere Nachbarn und chronisch kranke Angehörige im Auge. Fragen Sie nach, ob diese genug getrunken haben.

6.Medikamente checken:Arzt & Lagerung.

Lassen Sie Ihre Arzneimittel vor dem Sommer vom Arzt auf Hitzeverträglichkeit prüfen. Wichtig: Beachten Sie die Aufbewahrungshinweise in der Packungsbeilage (viele Medikamente vertragen keine Hitze!).

Bleiben Sie gesund und kommen Sie gut durch die heißen Tage!

Ihr Team des GLG Werner Forßmann Klinikums Eberswalde.