Mut für die Lücke – Die Welt der Kinder, wenn Eltern schwer erkranken oder sterben
Im Rahmen der Reihe „Medizinischer Dienstag“ gab Psychologin Uta Kranz tiefe Einblicke in ein Thema, das oft im Verborgenen bleibt: Die Lebenswelt von Kindern, deren Eltern schwer erkranken oder sterben.
In die Sprechstunde „Kinder körperlich kranker Eltern“ kommen Familien, die sich in einer extrem belastenden Situation befinden: Sie stehen vor dem Verlust eines Elternteils oder müssen eine schwere chronische Krankheit derselben bewältigen.
Die Beratungsstelle, die sich in den lichten und einladenden Räumen der Tagesklinik Koralle in Bernau befindet, ist für viele Betroffene ein unverzichtbarer Anker. Seit 2019 übernimmt die GLG die Finanzierung dieser wichtigen Arbeit. Der Kern dieser Arbeit: Die Begleitung von Familien, die sich in extrem belastenden, komplexen Lebenssituationen befinden. In einem gesellschaftlichen Umfeld, in dem Krankheit und Tod oft gemiedene Themen sind, bietet die Sprechstunde Raum für alles, was das Innerste bewegt.
Uta Kranz machte in ihrem Vortrag deutlich: Aus den starken seelischen Belastungszuständen können sich Depressionen und andere psychische Erkrankungen entwickeln. Typischerweise sollen so die entstandenen Lücken geheilt werden – „Bindungsenergie“ wird umgeleitet, was sich wiederum in Aggressionen oder Ersatzhandlungen äußern kann. Hier setzt die Begleitung konkret an: Konflikte und offene Wünsche, die mit einem verstorbenen Elternteil nicht mehr direkt geklärt werden können, sollen sichtbar gemacht, verstanden und sinnvoll aufgelöst werden.
Das Angebot umfasst Einzelgespräche, Elterngespräche und familientherapeutische Interventionen (tiefenpsychologischer Ansatz, Bindungstheorie nach dem britischen Psychiater John Bowlby, systemische Familientherapie). Dabei werden auch somatische Beschwerden der Angehörigen ernst genommen und medizinisch abgeklärt.
Unterstützt wird Uta Kranz in dieser anspruchsvollen Tätigkeit von Dr. med. Kathrin Dreves-Kaup, Oberärztin der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes- und Jugendalters.
„Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich, jede unglückliche Familie ist unglücklich auf ihre Weise.“ Mit diesem berühmten Zitat von Lew Tolstoi beendete die Psychologin Uta Kranz diesen bewegenden Abend im Paul-Wunderlich-Haus.
Kontakt zur Sprechstunde „Kinder körperlicher kranker Eltern“
Psychiatrische Institutsambulanz für Kinder- und Jugendliche (PIA)
Eberswalde - Tel.: 03334 53 - 701/ E-Mail: kiju@mgkh.de
Bernau - Tel.: 03338 6040 190 / E-Mail: kiju@mgkh.de
Redaktion: Annalena Ortmann, Fotos: Ines Blümel
GLG-Öffentlichkeitsarbeit, Telefon: 03334 69-1791, E-Mail: annalena.ortmann@glg-mbh.de


