Zeitreise im Tobhaus

Ein Hauch von Vergänglichkeit weht durch die modrig riechenden Flure, massive Türen mit Gitterfenstern stehen halb geöffnet. Eine geheimnisvolle Aura erfüllt das Eberswalder Tobhaus. Am 13. September, dem „Tag des offenen Denkmals“, können alle Interessierten einen exklusiven Blick in das Gebäude auf dem Gelände des Eberswalder GLG Martin Gropius Krankenhauses werfen.

„Im Tobhaus wurden einst besonders unruhige und erregte – tobsüchtige – psychiatrische Patienten untergebracht“, erklärt Christine Keller, ehemalige Oberärztin im GLG Martin Gropius Krankenhaus. „Man muss dazu jedoch wissen, dass Tobhäuser, die uns heute furchteinflößend erscheinen, zu ihrer Zeit klar eine Verbesserung darstellten. Zuvor hatte man die Kranken oft in Verliesen oder Narrentürmen gemeinsam mit Verbrechern angekettet, oder sie lebten wie Aussätzige am Rand der Gesellschaft. Mitte des 19. Jahrhunderts begann ein Wandel, der sich auch im Bau von Tobhäusern zeigte. Sie sind somit ein sichtbarer Ausdruck für einen wichtigen Entwicklungsschritt in der Psychiatrie. Die Menschen wurden als Patienten betrachtet und nach damaligen Möglichkeiten versorgt. Bevor es Medikamente gab, wie wir sie heute kennen, sah man in der zeitweisen Isolierung im Tobhaus oft den einzigen Weg, die Leidenden vor sich selbst und andere vor ihnen zu schützen.“

Seit einigen Monaten sind Restaurierungsarbeiten im Tobhaus im Gange. Dabei geht es unter anderem um die Konservierung von Fragmenten originaler Ornamente und Farbgebungen an den Wänden. Sie weisen darauf hin, dass es hier einmal ganz anders ausgesehen hat, als man auf den ersten Blick glaubt, und dass es sich um kein Gefängnis, sondern um einen Behandlungsort handelte.

„Was wir hier haben, ist ein architektonisches und medizinhistorisches Unikat, es gibt nichts Vergleichbares mehr“, betont Christine Keller, die im Ruhestand den Vorsitz des 2021 gegründeten Vereins Historisches Tobhaus Eberswalde e.V. übernommen hat und sich für das Denkmal stark engagiert. „Viele Details sind noch im Originalzustand von 1865. Man betritt förmlich wie durch ein Zeitportal Geschichte. Wir freuen uns sehr, dass für den denkmalschutzgerechten Erhalt Fördermittel des Landes Brandenburg und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gewonnen werden konnten und sind dankbar dafür, denn das Krankenhaus kann ein solches Projekt nicht finanzieren. Wir stellen uns vor, dass das Gebäude einmal ein Ort mit Historie und gleichzeitig ein Teil des modernen Krankenhausbetriebs sein könnte. Am Konzept dafür wird noch gearbeitet.“

Besucher erwartet am „Tag des offenen Denkmals“ auch eine kleine Ausstellung. Für musikalische Begleitung sorgt das „Duo Niederfrequenz“. Beginn ist um 14 Uhr, voraussichtliches Ende um 17 Uhr. Man findet das Tobhaus im Bereich des GLG Martin Gropius Krankenhauses, Oderbergerstraße 8, in Eberswalde. Der Eintritt ist frei, kostenlose Parkplätze stehen zur Verfügung.